Der Wildsee im Pillerseetal: Wandern mit dem Herbst im Herzen
Wer im Herbst wandern geht, der darf sich auf ganz besondere Farbenspiele und Kontraste in der Natur freuen. Das es nicht immer strahlenden Sonnenschein braucht, um schöne Eindrücke mitzunehmen, haben wir auf dem Weg zum Wildsee erfahren ...

Der Wildsee mit Alpenpanorama Bildrechte: XNX

Boot auf dem Wildsee Bildrechte: XNX

Aussicht vom Lärchfilzkogel Bildrechte: XNX
Tief hängt der Nebel über Fieberbrunn. Ich suche die Sonne und finde sie, verborgen hinter Wolkenschleiern. Nur selten dringen einzelne Strahlen hindurch. Das wird sich auch über den ganzen Tag hinweg nicht ändern. Es ist kühl am Morgen, die Luft frisch, leicht feucht und sehr belebend. Mich erwartet kein strahlender Tag, das ist klar. Heute ist kein Postkartenwetter. Aber für eine Herbstwanderung ist es geradezu perfekt.
Auf der Suche nach der versteckten Bergwelt
Dabei ist mein heutiges Ziel ein echtes Postkartenmotiv. Hoch oben über Fieberbrunn zieht es mich auf den Wildseeloder, vor allem wegen des kleinen Sees, der auf etwa 1.850 Meter Höhe liegt. Der Wildsee prangt auf einigen Werbeplakaten im Pillerseetal und auch auf den Liftkarten der Bergbahnen Fieberbrunn. "Die best versteckte Bergwelt", so lautet der Slogan dazu. Ich hoffe es trotzdem zu finden.
Lebendiger Herbst
Den ersten Teil lege ich mit eben jener Bergbahn zurück. Vom Dorf aus ist die Wanderung zum Gipfel mit rund vier Stunden abgeschätzt, kann aber eben auch verkürzt werden - je nachdem, wie lange man unterwegs sein will. Mit der Gondel erhebe ich mich schnell aus dem Bodennebel und komme in den Genuss der herbstlichen Pracht der Umgebung. Schroffe Felsen im Hintergrund, grüne, weiche Hügelketten davor. Auf den unteren Hanglagen zeigen die Laubbäume ihre bunte Pracht, über dem Tal selbst steht der Nebel.
Es sind die Kontraste, die diesen Anblick zum echten Genuss machen. Das Farbspiel zwischen rotem und gelben Laub vor der wolkigen Kulisse lässt den Herbst lebendig werden. Und wenn einmal ein Sonnenstrahl durchkommt, dann bringt er Details zum leuchten: Ein goldenes Kreuz auf einer Kirchturmspitze, der Schaum des sich brechenden Wassers an einem kleinen Wasserlauf. Die Natur braucht eben nicht zwangsläufig strahlenden Sonnenschein, um zu beeindrucken.
Keine Partymeile
Im Pillerseetal sind vor allem diejenigen gut aufgehoben, die viel Wert auf das Naturerlebnis legen - und weniger auf Parties aus sind. Vor allem kleine Häuser und Gasthöfe sorgen in den Orten Fieberbrunn, St. Jakob in Haus, Waidring, Hochfilzen und St. Ulrich am namensgebenden Pillersee aber über das ganze Jahr für ähnlich viele Übernachtungen, wie der große Nachbar Kitzbühel. Gerade aus Deutschland ist die Anreise ein Katzensprung. Von der Grenze aus erreicht man das Tal mit dem Auto in einer halben Stunde.
Big Mountain
Wer meinen Weg auf sich nimmt, der bekommt etwas geboten. Vom Lärchfilzkogel genieße ich den Blick ins Tal. Dann geht es zunächst noch einmal bergab, ehe der letzte Anstieg zum Wildseeloderhaus ansteht. Der ist durchaus steil, bietet aber tolle Eindrücke. Diesen Berg werden sich die besten Freerider der Welt im März 2011 also hinunterstürzen, wenn die Freeride World Tour in Fieberbrunn gastiert! Ich bin allenfalls ein durchschnittlicher Skifahrer und beeindruckt von der Steilheit und Wildheit des 'Big Mountain'.
Aufstieg zum See
Je höher ich komme, desto felsiger und schroffer wird die Gegend, immer aber auch durchzogen, durchsetzt, ja überwuchert von Moosen, Gräsern und kleinen Pflanzen, die aus der Entfernung für diesen weichen, warmen und lebendigen Charakter sorgen. Ein weiterer schöner Kontrast auf dieser Herbsttour. Dieses Grün begleitet mich über die Baumgrenze bis hin zu einer kleinen Kapelle, die neben dem Wildseeloderhaus, der Hütte, als uriges Schmuckstück mein Ziel ankündigt.
Das perfekte Panorama
Dann liegt der Wildsee vor mir, ruhig und still. Einzig ein kleines blaues Ruderboot sorgt mit leichtem Schwanken für ein bisschen Bewegung auf dem Wasser. Etwas oberhalb thront die Hütte wie ein Torwächter vor dem Ausgang ins Tal, während rundum die Felswände wie einen Krater das Wasser umschließen. Es dauert nicht lange, den See halb zu umrunden. Und hier, etwa zehn Meter über der Oberfläche , habe ich nun die Aussicht, die mir mein Liftpass versprochen hatte: Der See vor dem Hintergrund der Bergwelt des Pillerseetals.
Kein Gipfel, kein Problem
Eine kleine Weile genieße ich hier mein Panorama und steige schließlich nicht einmal mehr zu einem der nahegelegenen Gipfel, dem Wildseeloder (2.117 m) oder der Henne (2.078 m) auf. Das muss einfach nicht sein. Ich habe heute viel mitgenommen und steige zufrieden wieder ins Tal hinab. Die Sonne konnte sich zwar nicht durchsetzen - immer noch hängt sie hinter den Wolken fest. Dennoch hat sich der Ausflug gelohnt. Es muss eben nicht immer Postkartenwetter sein.
Hier findet ihr mehr Infos zur Region Pillerseetal.
Autor: Ingo Lemmer














